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16:00 Uhr:
Es ist ein sonniger warmer Frühlingsnachmittag. Unser Bus ist bis auf den letzten Platz gefüllt.
50 Spieler und Spielereltern unserer G-, F-, E- und D-Jugendmannschaften, ausgestattet mit Fantrikots und
Deutschlandfahnen, machen sich auf den Weg ins Nürnberger Frankenstadion.
Ohne Staus oder andere Zwischenfälle erreichen wir die ehemalige freie Reichsstadt. Elektronische
Hinweistafeln entlang der Autobahn künden vom sportlichen Ereignis des heutigen Abend, dem
EM-Qualifikationsspiel der Deutschen Fußballnationalmannschaft gegen den "Fußballzwerg" Litauen.
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Ankunft in Nürnberg auf dem Busparkplatz. |
Auch unsere Spieler sind auf der Seite der Friedensbewegung und protestierten mit einem selbstgemahlten Plakat gegen den Krieg. |
Nachdem wir am Messegelände einen Parkplatz gefunden haben, machen wir uns, begleitet vom
Ratschen- und Trötenlärm unserer Spieler, auf den Weg zu unseren Plätzen in der
Südkurve. Besonders eilig haben es unsere D-Jugendlichen, die sich gleich an die Spitze
unserer Gruppe setzen. Nachdem wir das Stadiongelände bereits mit dem Bus fast einmal
umrundet haben, wiederholen wir die Umrundung fast noch einmal zu Fuß, bis wir den
richtigen Eingang erreichen.
Die Befürchtungen von Kindern und Eltern, dass sie vielleicht die mitgebrachte Verpflegung
am Einlass zurücklassen müssen, bestätigt sich nicht. So lassen wir uns eine
gute halbe Stunde vor Spielbeginn, bestens ausgerüstet und versorgt, auf unseren Plätzen
nieder. Ein Paar unserer D-Jugendlichen rollen ein mitgebrachtes Anti-Kriegsplakat aus. Die
Zeit bis zum Spielbeginn vergeht durch Interviews auf dem Rasen mit Andreas Köpke und
Oliver Bierhoff und einer Showeinlage einer Truppe vom Europapark Rust wie im Flug.
Schon werden die Nationalhymnen von einer Kapelle angestimmt. Einigkeit und Recht und
Freiheit findet im Stadionrund, begleitet von einem schwarz-rot-goldenem Fahnenmeer,
einige tausend Mitsänger.
19:00 Uhr:
Die Mannschaften begrüßen sich. Platzwahl. Oliver Kahn und Co nehmen Ihre Positionen
in der vor uns liegenden Spielhälfte ein und werden lautstark vom Publikum begrüßt.
Anpfiff. Es beginnt eine kurze Phase des Abtastens, die in der 7. Spielminute durch einen
energischen Einsatz von Torsten Ramelow und seinem unhaltbaren Einschuss zum 1:0 ihr Ende findet.
Die Fans springen in Rekordzeit auf und kommentieren mit einem vierzigtausendfachen Torschrei
den Torerfolg unseres Teams. Es sieht nach einem planmäßigem Spielverlauf aus.
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Vor dem Spiel, die Mannschaften wärmen sich auf. |
Die deutsche Mannschaft drängt auf das Litauische Tor. |
Doch Denis, Stürmerstar unserer ersten Mannschaft und Trainer der D2-Junioren, sollte
mit seiner Warnung und Befürchtung, dass das Deutsche Team sich nach einem schnellen Tor
in Sicherheit wiegt und nur noch das nötigste tut, Recht behalten. Das deutsche Team
versuchte zwar weiter das Spiel in der Hand zu behalten und zu kombinieren, aber den
unbedingten Willen nach weiteren zählbaren Ergebnissen ließen sie vermissen.
So ging die erste Halbzeit ohne richtig zwingende oder spektakuläre Szenen auf dem
Spielfeld zu Ende. Doch das stört unser Kids nicht sonderlich, sie nutzen die Zeit
für Fangesänge, Bewegen der mitgebrachten Fahnen und La-Ola-Wellen.
20:00 Uhr:
Anstoß zur zweiten Halbzeit. Jetzt verteidigen die litauischen Spieler die vor
uns gelegene Spielfeldhälfte. Wir bekommen unsere Spieler jetzt doch etwas besser
zu sehen, aber der rechte Schwung fehlt in den Aktionen unserer Mannschaft. Hatten sich
beide Mannschaften etwa bereits auf ein für sie akzeptables Ergebnis geeinigt?
Doch eine gute Viertelstunde vor dem Spielende hält sich die Nr. 10 der Gäste
nicht mehr an die stillschweigende Übereinkunft. Nur lässig von der deutschen
Abwehr bedrängt, lässt er Oli Kahn keine Chance und hämmert den Ball zum
Ausgleich ins deutsche Torgehäuse.
Das deutsche Team erwacht aus dem Dornröschenschlaf und zeigt nun das doch mehr in
ihm steckt als in den letzten 40, 50 Minuten gezeigt. Energisch wird Angriff um Angriff
gegen das litauische Tor gestartet - der Torerfolg allerdings bleibt aus. Entäuscht
und mit versteinerten Mienen nimmt das Publikum den Abpfiff des Schiedsrichters entgegen.
Der vermeintliche Zwerg hat Goliath wiedereinmal ein Bein gestellt.
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Dennis Limp und seine Jungs, ausgestattet wie wahre Fans. |
Wurde es spannend vor dem litauischen Tor, musste man auch mal aufstehen. |
21:00 Uhr:
Nach dem wir die erste Welle der Zuschauer an uns vorbeigelassen haben, verlassen auch
wir das Frankenstadion und bemühen uns alle Kinder zusammenzuhalten. Die abziehenden
Zuschauer sind recht ruhig, nur ein paar verstreute litauische Fans sind besserer Stimmung.
Im Bus angekommen, ändert sich unsere Stimmung aber dann doch recht rasch. Die kleinen
G- und F-Jugendspieler verfolgten gebannt die Jokes und Späße der älteren
Spieler und dachten bis zur Rückkunft in Würzburg gar nicht daran müde zu
werden. Kurz nach elf geht dann ein schöner Frühlingstag für unsere Gruppe
zu Ende - wenn auch mit einem andern Spielergebnis als erhofft.
von Klaus Schreiber